Andacht am Abend in der Karwoche / Video zum Karfreitag

Nachricht 06. April 2020

Karwoche Sonntag 5.April bis Samstag 11.April 2020

Bild: pixabay

Andacht am Abend in der Karwoche 2020

Gedanken/ Worte zu Beginn:

Ich will ein Licht anzünden im Namen Gottes, der die Welt erleuchtet und mir den Atem des Lebens gibt.

Kerze anzünden

Ich will ein Licht anzünden im Namen des Sohnes, der die Welt rettet und mir seine Hand reicht.

Eine weitere Kerze anzünden

Ich will ein Licht anzünden im Namen der Heiligen Geistkraft, die die Welt umfasst und meine Seele im Gleichgewicht hält.

Dritte Kerze anzünden

Drei Lichter brennen für den Dreieinigen Gott der Liebe:

Gott über mir/uns,
Gott um mich/uns,
Gott in mir/uns
Vom Anfang bis ans Ende, bis in Ewigkeit.
Amen
(nach Iona-Kommunität, Schottland)

Lied: EG 487  

https://www.youtube.com/watch?v=ycSZL8MVFyA


1. Abend ward, bald kommt die Nacht, schlafen geht die Welt; denn sie weiß, es ist die Wacht über ihr bestellt.
2. Einer wacht und trägt allein ihre Müh und Plag, der lässt keinen einsam sein, weder Nacht noch Tag.
3. Jesu Christ, mein Hort und Halt, dein gedenk ich nun, tu mein Bitten dir Gewalt: Bleib bei meinem Ruhn.
4. Wenn dein Aug ob meinem wacht, wenn dein Trost mir frommt, weiß ich, dass auf gute Nacht guter Morgen kommt.
(Text: Rudolf A. Schröder, 1942)

Passionszeit. Leidenszeit. Stille Zeit. In diesem Jahr hat die Passionszeit einen besonderen Klang. Ich komme zur Ruhe – manchmal mehr als mir lieb ist. Krankheit und Tod werden zu Themen, die den Alltag bestimmen und mich bedrängen.

Psalm 31 (in Auswahl)

Herr, auf dich traue ich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
   errette mich durch deine Gerechtigkeit!
   Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
   und um deines Namens willen
   wollest du mich leiten und führen.
In deine Hände befehle ich meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
    Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,
    dass du mein Elend ansiehst
und kennst die Not meiner Seele
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
    du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Lied: EG 97
https://www.youtube.com/watch?v=1Vg2PYao9ic

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt neue Frucht. Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn
5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
(Text: Jürgen Henkys 1975)

Lesung

Jesus feierte vor seinem Tod mit seinen Jüngern ein Fest, das Passahfest.

Dazu heißt es in der Bibel im 1. Kor. 11, 23-26

23. Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, 
24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
(aus Einheitsübersetzung 2016)

An dieser Stelle kann die Kurzandacht (letzte Seite) gelesen werden

Lied: EG 85 (lesen oder singen)

1.O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßest seist du mir!
4.Nun, was du, Herr erduldet, ist alles meine Last, ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Arme, die Zorn verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.
(Text: Paul Gerhard 1656)

Gebet

Dein Leiden will ich bedenken, Jesus Christus.
Wohin geht mein Blick,
wenn ich zu Dir schaue?
Wohin geht meine Stimme,
wenn ich zu Dir rufe?

Du hast gelitten und bist gekreuzigt worden.
Du hast die Schmerzen auf dich genommen
und stehst mir bei, wenn ich leiden muss.
Darum lebe ich ohne Furcht
in dieser Zeit und in den Tagen, die kommen.

Stille…

Möglichkeit zur Bildbetrachtung "Kruxifix"

Gebet zur Nacht

Gott, unser Ursprung und Ziel, du bist voller Güte und liebst die Menschen –
So vergib mir alle meine Sünden, die ich heute getan habe in Gedanken, Worten und Werken.
Schenke mir einen friedlichen und ungestörten Schlaf.
Dein heiliger Engel sei mit mir, er schütze mich vor allem Bösen.
Sei du mein/unser Schutz für meinen/unseren Leib und meine/unserer Seele.
Zu dir steige mein/unser Lob auf.
Zu dir, Jesus Christus, du Hoffnung der Welt.
Zu dir, Heilige Geistkraft, du Atem des Lebens.
Jetzt und allezeit bis in Ewigkeit.
Amen
(nach Makarios – 4. Jahrhundert )

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Lied: EG 482 Der Mond ist aufgegangen (lesen oder singen)

1. Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.

3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder, kalt ist der Abendhauch. Verschon uns Gott mit Strafen und lass und ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch.
(Text: Matthias Claudius 1779)

Sendung

Ich bin unterwegs.
Ich bin auf dem Weg,
mit denen, die ich liebe
und denen, mit denen ich es schwer habe.
Sei du bei mir/unter uns.
Amen

Kerzen werden gelöscht

Stille…

Lesung in der Karwoche: Jesaja 53, 2c,3+5c

Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet … durch seine Wunden sind wir geheilt.

 Wir sind in der Karwoche. Das ist für uns Christen die wichtigste Woche im Jahr. Es war einmal die „stille Woche“, die Älteren werden sich noch erinnern: Das Leben verlief langsamer, selbst im Radio und im Fernsehen gab es ein ruhigeres, besinnlicheres Programm. Es war eine traurige Woche, denn in dieser Woche gedenken wir des Leidens und Sterbens von Jesus von Nazareth.

 Wir werden nicht gerne an Leiden und Tod erinnert, weil es schmerzlich ist. Aber Christen erinnern sich ja daran nicht, weil wir in den Tod verliebt sind. Ganz im Gegenteil. Wir begehen die stille Woche, weil wir wissen, was kommt: Ostern. Wir halten den Karfreitag aus, weil wir immer schon von der Botschaft der Auferstehung herkommen. Die stille Woche ist eine Woche des Lebens.

 Und eine Woche der Wahrheit. Es ist die Wahrheit über die Welt und über die Menschen. In der Welt herrschen Hunger, Krankheit, Not und Tod, Menschen können unglaublich grausam und dumm sein. Daran erinnert uns unser christliches Symbol, das Kreuz. Es sagt: ER hat das Leiden überwunden. Der Glaube sieht durch das Kreuz hindurch schon das Licht.

 Der Prophet Jesaja hat sich darüber Gedanken gemacht. Er sieht im Leiden, in der Gebrechlichkeit des Alters und der Hinfälligkeit von Krankheiten das Leben. Der Glaube sieht die Welt anders: Als einen Ort von Glaube, Liebe und Hoffnung. Wir Menschen sehen nur, was vor Augen liegt und urteilen darüber, Gott sieht tiefer und liebt, was er sieht.

 Die Männer, die Jesus am Karfreitag gekreuzigt haben, haben ihn verspottet. Aber ein Hauptmann hat tiefer gesehen. Er sagt über den, der so hässlich und zugerichtet war: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“. (Matthäus 27,54)
Da konnte er noch nicht ahnen, wie recht er hatte.

 Um wieviel mehr können wir es heute, wo wir doch gehört haben: Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Gerade in dem, was uns auf den ersten Blick nicht gefällt, zeigt sich uns Gott. Das ist, gerade wenn Epidemien, Krankheit und Alter nach uns greifen, eine wundervolle Botschaft. Amen